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Das leidige Thema Größe

Artikel Nr. 6 vom 04.06.2001

Die Entwicklung

Der erste offizielle Whippetstandard erschien 1903 im Ursprungsland der Rasse . Dieser Standard enthielt relativ wenig Text, er verlangte einen "Greyhound in Miniatur" und gab als Größe "von 40,6 bis 50,8 cm" an und nannte als Gewicht "Idealgewicht 10 kg".
Beteiligt waren seinerzeit die wichtigsten Züchter dieser Dekade, die sich im ersten Britischen Whippet Club zusammengetan hatten. Es waren die wichtigen Namen Fred Bottomley (Manorly), Lewis Renwick ( Watford), Bernard S. Fitter , Ernest Sobey die dafür verantwortlich zeichneten. Es war die erste akzeptierte Beschreibung, wie ein Whippet auszusehen hatte.
Es gab keine Differenzierung zwischen Rüde und Hündin. Dass aber sowohl Größe und Gewicht als Standardpunkte aufgenommen wurden, weist auf die Bedeutung dieser Merkmale hin.
Nur ein Jahr später wurde der Standard geändert in Bezug auf die Gesamterscheinung. Man verwarf den "Greyhound in Miniatur", weil diese Aussage über Jahre zu Kontroversen führte. Die meisten Züchter fanden den Whippet höchstens "ähnlich aber nicht genauso" wie den größeren Verwandten; ein wenig kürzer und weniger flach. "Das Fehlen der Größenangabe in diesem kurzlebigen Standard kann nicht erklärt werden" schreibt Bo Bengtson.

Drei Jahre später, 1907, wurde die Größenangabe wieder in den Standard aufgenommen und zwar diesmal detailliert: "Idealmaß Rüden 47 cm, Hündinnen 44,5 cm; Idealgewicht für Rüden 10,5 kg, für Hündinnen 10kg" mit dem wichtigen Zusatz " kleine Abweichungen bleiben in der Verantwortung der Zuchtrichter", d.h. sie sollen gute Tiere nicht übertrieben abwerten.
Genau dieser Satz hatte bis 1987 also 80 Jahre lang Gültigkeit und regte zu mehr Diskussionen als jeder andere Teil des Standards an. Es ist aber auch ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass die Größe deutlich niedriger als im ersten Standard angesetzt wurde.
1932 setzten sich die Vertreter des Britischen Whippet Club und der neu gegründeten National Whippet Association zusammen, um den Standard in einigen Punkten zu überarbeiten. In der Hauptsache wurde die Frage nach einem Höchstmaß diskutiert. Die Repräsentanten der National Whippet Association waren Mrs. M.B. Garrish (Fleeting), Mr. und Mrs. Ben Eve Evans (Sapperly) und Mr. Renwick persönlich. Es wurde entschieden: Die Verantwortung sollte bei den Richtern bleiben.

1945 wurde der Whippet Standard moderiert und jetzt fiel die Gewichtsangabe unter den Tisch. Die Größenangaben blieben wie gehabt: "Idealmaß Rüden 47 cm, Hündinnen 44,5 cm" .

1978 wurde ein erneuter Versuch gestartet,über die Größe zu diskutieren, aber die Mehrheit der erfahrenen Züchter wollte alles beim Alten belassen. Hierzu schrieb C.H.Douglas Todd (Wingedfoot) : " Die Meetings der Club Repräsentanten fanden statt und immer wenn die Größenfrage gestellt wurde , waren sich alle sofort einig, dass die Größe für Rüde und Hündin so wie es bereits 50 Jahre auch in der Zukunft lang bestehen bleiben sollte. Ich denke es ist sehr wichtig diesen Punkt vollkommen anzunehmen, weil Neulinge in der Rasse von Zeit zu Zeit immer wieder die Größenfrage stellen. Ältere und erfahrene Züchter und Aussteller sind sich darüber einig, dass es ein großer Fehler wäre irgendwelche Änderungen zu machen."

Erst im Jahre 1987, als eine Überarbeitung der Standards anstand, änderte sich der Punkt Größe wie folgt: "Schulterhöhe der Rüden 47 - 51 cm; der Hündinnen : 44-47 cm. "
Das ist der offizielle und gültige Rahmen, in dem sich ein Whippet bewegen muss. Der Nachsatz über die Eigenverantwortlichkeit der Richter ist weggefallen.
Dafür wurde ein weiterer Punkt ergänzt: "Fehler: Jede Abweichung von den vorgenannten Standardmerkmalen ist als Fehler anzusehen, und das Gewicht, mit dem der Fehler zu werten ist, muß genau seinem Schweregrad entsprechen."
Das bedeutet explizid
1. Ein Über - oder Unterschreiten der Größenangaben ist zweifelsfrei ein Fehler.
2. Der Fehler muss genau seinem Schweregrad entsprechend bewertet werden.

Diese Angaben sind dem gültigen FCI Standard Nr. 162b entnommen.

Entwicklung in Deutschland

Als in den 30er Jahren auch in Deutschland Hunderennen populär wurde, blühte auch die Whippetzucht auf. Whippets sah man hier nur als "Zweckzüchtung für die Rennbahn" und ein lebhafter Wettbewerb begann. Erfolgreiche Whippets auf den ersten Plätzen zu haben, war die Motivation.
Als ein großer Rüde namens Bahnfrei vom Königsforst alle Rennen gewann, entschloss man sich ein Höchstmass einzuführen: Whippets dürfen nicht größer als 50cm sein.

Dahinter steckte der Gedanke der Chancengleichheit, allerdings wurde kein Unterschied zwischen Rüden- und Hündinnenmaß gezogen. In den alten Zuchtbüchern dieser Zeit verfassten die jeweiligen Zuchtleiter etliche Artikel zum Thema Größe und fordern die Züchter auf, unbedingt dieses "Übel" zu bekämpfen. Von dem Zeitpunkt an, wurde eine "Übergröße" als verwerflich angesehen und zu einem Zucht-Problem überstilisiert. Darüber hinaus wurde die Rennbahn zum Wertmaßstab für die Zucht und über den Standard gestellt. Das DWZRV Zuchtziel von Schönheit und Leistung hatte ein Schwergewicht im Bahnrennen.
Mit Rücksicht auf den Rennsport pendelte sich als realistisches Maß 48 cm für Rüden und 46,5 cm für Hündinnen ein, weil kleinere Hunde weniger Chancen hatten. Dennoch wollten die Züchter erfolgreich bei Hunderennen sein und riskierten bei ihren Zuchtplänen eher eine Übergröße, um einen größeren Hund zu bekommen, der schneller war.

In Deutschland legte man ausschließlich Wert auf den Gebrauchshund Whippet (=Rennhund) und überbewertete in diesem Zusammenhang die Form als Rennhund und die Schulterhöhe.
Das Höchstmaß von 50 cm für Rüden und Hündinnen wurde bei Rennen beibehalten .Die gewöhnliche Zucht von Whippets orientierte sich vornehmlich darauf, Grenzhunde zu züchten, weil man bemerkt hatte, dass größere Whippets bei Rennen überlegen waren. So verschwiegen einige Züchter auch gar nicht, dass sie bewusst und am liebsten eine 49,9 cm große Hündin züchten wollten. Bei dieser Zuchtidee blieb es nicht aus, dass eine Zunahme der Übergrößen vorangetrieben wurde.

Ausgrenzung

Bis in die 80 er Jahre hinein hatte man in Deutschland für zu groß geratene Whippets kaum eine Verwendung. Sie wurden von den Züchtern in Liebhaberhände abgegeben und verschwanden bewusst in der Versenkung. Whippetinteressenten verlangten Garantien von den Züchtern, dass der Welpe nicht zu groß geraten würde. Einige Züchter ließen sich sogar darauf ein, einen zu groß geratenen Whippet später "umzutauschen". Es wurde als größter Makel angesehen, eine Übergröße gezüchtet bzw. besessen zu haben und das Wort Züchterschrott zog schnelle Kreise. Daraufhin war jeder bemüht, seinen zu groß geratenen Whippet zu verstecken.

Es verstärkte sich die Auffassung, dass die Größe über alle anderen Merkmale zu stellen ist und bald wurden nach unzähligen Diskussionen über das Wie und Wo der Umsetzung ein akribische Messverfahren eingeführt, das eine Widerristhöhe millimetergenau ermitteln konnte. Das alles hatte sowohl Auswirkungen auf die Zucht- und Körordnung als auch auf die Richterschaft. Der Standard Nachsatz, dass "Zuchtrichter in Eigenverantwortung richten sollten und ein größeres Tier nicht übertrieben abwerten " wurde durch das Einbinden der Höchstmaße ausgehebelt.
In den Ausstellungsringen gingen jeder Beurteilung zunächst Messvorgänge voran. Für jeden Whippet wurde zentimetergenau das Widerristmaß eingetragen. Von nun an wurde der Whippet bei jeder Gelegenheit gemessen. Besondere Messveranstaltungen wurden eingerichtet, an denen nur bestimmte "Messrichter" für Whippets eingeladen wurden. Dann entschied man sich nacheinander für verschiedene Verfahren. Einmal wurden für die Rennmessung die genauen Zentimeter eingetragen, war der Hund kritisch groß, musste er ein Jahr später erneut gemessen werden, dann maß man nur bis 47 cm, bis 50 cm und über 50 cm und am Ende gab es drei verschiedene Größenmaße, die beinahe jeden Whippetbesitzer verwirren müssen.
1. Das Rennmaß (Messzertifikat)
2. Das Körmaß ( DWZRV-Messrichter)
3. Das Ausstellungsmaß

All das kostete extra Gebühren und Reisekosten, denn die besonderen Meßveranstaltungen an denen die vorgeschriebenen Messzertifikate erlangt werden konnten, waren dünn gesäht und oft viele hundert Kilometer entfernt.

Kritik

Diskussionen über Sinn und Unsinn der willkürlichen Größengrenze , die jeden Whippet unabhängig seiner anderen Qualitäten und mögl. Vorzüge, von der Zucht und Ausstellung und dem Rennen ausschlossen, weil die Widerristhöhe einige Millimeter über dem Maß des Standard gemessen wurde, sind hinreichend geführt worden.

Whippetbesitzer mit zu groß geratenen Hunden wollten nicht länger im Abseits stehen. Sie forderten die Möglichkeit der Teilnahme an Hunderennen. Als die ersten übergroßen Whippets auch auf den Ausstellungen gezeigt wurden, lösten sie Empörung aus. Whippethalter mussten Scham und Schande über sich ergehen lassen, wenn sie einen Whippet im Ring vorführten, der zu groß war. Die Abwertung aufgrund von Übergröße um mindestens zwei Wertnoten machte Schule und ging als Anweisung an alle Zuchtrichter im DWZRV und alle anderen, die dort zum Richten eingeladen wurden. Die damals bestehende internationale Dachorganisation für das Rennen, die UICL, übernahm das Höchstmaß und setze es auch in den angeschlossenen UICL-Ländern durch. Danach konnten Richterberichte wie folgt aussehen : "Wunderbarer typvoller Rüde, von großer Qualität, in allen Teilen vorzüglich, hervorragendes Gangwerk, leider wegen Größe von 51 cm nur "g"."

Bei den Hunderennen wurde eine neue Klasse geschaffen: die Größenklasse, damit auch die zu großen Whippets in einer separaten Rennklasse ohne Konkurrenz mit den übrigen Teilnehmern starten konnten. Das bereinigte nicht das Größenproblem, gab aber den Übergrößen wenigstens eine Chance zur Teilnahme und zeigte bald auf, dass der Anteil der zu großen Whippets der Normalverteilung folgt.

In den 70er Jahren gab es im DWZRV (Deutscher Windhundzucht-und Rennverband e.V.) zum Whippet nur ein Thema: Größe. Endlich entschloss man sich das Höchstmaß für Hündinnen herabzusetzen. Es fand keine Annäherung an den Standard statt, sondern man "genehmigte" für Hündinnen einen Zentimeter mehr als Höchstmaß, nämlich 48 cm,
statt 47 cm so wie im Standard der höchste Wert bezeichnet ist.
Das führte bei den Rüdenbesitzern wiederum zu Diskussionen, die diesen einen Zentimeter Spielraum so nötig brauchten. Übergroße Rüden waren am häufigsten zwischen 50 und 51 cm anzutreffen, bis auf wenige, die wirklich weit über das Ziel hinausgeschossen waren.

In dem gleichen Zeitraum begann sich die Qualität der Whippets durch den Einsatz von neuen fremden Zuchttieren, die nicht aus dem Rennsektor kamen, zu verbessern. Zuvor waren sich fast alle einig: Ein Whippet muss auf die Rennbahn. Was vorher undenkbar schien, setzten einige Züchter mit Durchhaltevermögen durch: den Whippet nicht nur als Rennhund anzusehen, sondern sich der Gesamtheit der Merkmale und Eigenschaften bewusst zu werden. Was für einige wie die Vorantreibung getrennter Zuchtziele von Schönheit auf der einen und Leistung auf der anderen Seite aussah, war lediglich eine natürliche Entwicklung.

Das Anstreben internationaler Standard-Qualität wurde aber den deutschen Züchtern durch das Höchstmaß mehr oder weniger vereitelt. Selbst ein internationaler oder hoch dekorierter englischer Champion hatte keinerlei Chance in die Zucht zu gelangen, wenn er das Höchstmaß auch nur um wenige Millimeter überstieg.

In den 80 er Jahren wuchs die Unzufriedenheit darüber mehr und mehr und es öffnete sich allmählich der Blick dafür, dass eine Überbewertung der Größe ohne gleichzeitige Beurteilung der Gesamtqualitäten zu keinem Ergebnis führen kann.

Aufbruch

Als die internationale Dachorganisation FCI die europäische "Rennorganisation" UICL als "nicht mit den Satzungen der FCI vereinbar" bestätigte , wurde dem DWZRV ein Ultimatum gestellt.Verkrustete Kräfte im DWZRV wollten einen Ausschluß aus dem VDH und demzufolge der FCI riskieren, weil sie sich nicht von der UICL lossagen wollten. Demgegenüber wuchs die Unzufriedenheit der Aussteller, Züchter und später auch Richter, sodaß nur eine Art "Notvorstand" eine Schlichtung der verhärteten Fronten erreichen konnte.

In diesen hektischen Zeiten trafen sich im Januar 1990 Whippetinterressierte und Züchter und gründeten den Whippet Club Deutschland 1990 e.V. (WCD) als VDH-Mitgliedsverein aber außerhalb des DWZRVs. Das Ziel war in erster Linie die übertriebene Größenvorgabe abzuschaffen und sich auf die Zucht von Whippets anhand des Standards zu orientieren. Das stieß zunächst auf harten Widerstand von Seiten des DWZRV und man ging auf Konfrontationskurs. Viele Züchter und Besitzer mit Ambitionen in der Zucht oder zu großen Rennhunden wechselten in den WCD 1990 e.V.

Kurz darauf stellte Dr. Rainer Beuing dem DWRV sein Modell der Zuchtwertschätzung vor, mit deren Hilfe die Whippetgröße ohne drastische Zuchtbeschränkungen züchterisch bearbeitet werden sollte.. Dieses BLUP (Best Linear Unbiased Prediction) Verfahren bedeutet die bestmögliche, nach einem linearen Modell geschätzte, unverfälschte Vorhersage und wurde lange Jahre kontrovers in den Meetings diskutiert und nach zähen Verhandlungen endlich eingeführt. Es wurde einerseits kritisiert, dass man das variable Merkmal Größe züchterisch mit den gleichen Methoden behandeln wollte, wie eine Erbkrankheit . Mit Einführung der Zuchtwertschätzung konnten aber auch gute größere Hunde in die Zucht gelangen, sofern sie mit einem für den Zuchtwert Größe adäquaten Partner eingesetzt wurden. Damit erreichte der DWZRV auf Umwegen ebenfalls eine Liberalisierung der Zucht und die Bedingungen wurden um einiges verbessert. Züchter waren freier in ihren Entscheidungen bezüglich Zuchtwahl, ohne die Größe aus den Augen zu verlieren.

Eine Frage wurde von ausländischen Whippetfreunden immer gestellt :"warum lassen sich deutsche Züchter so gängeln" . Die Antwort war einfach. Die Zuchtbestimmungen schrieben vor, dass Whippets nur ihm Rahmen ihrer Zuchtwerte angepaart werden konnten. Ein Züchter, der sich darüber hinweg setzte, erhielt zwar Ahnentafeln für seinen Wurf mit dem Zusatz "Nicht nach den Regeln des DWZRV gezüchtet" und dem unerbittlichen, unakzeptablem Zusatz "Zur Weiterzucht gesperrt."

Im WCD verfiel man in das andere Extrem: Größe wurde hier als unwichtig eingeschätzt und es wurden keinerlei Beschränkungen akzeptiert, nicht einmal die vom Standard selbst vorgegebenen nach dem Motto: Schön ist was gefällt.

Während man im DWZRV auf Drängen einiger Züchter und Funktionäre bald von der Zuchtwertschätzung abließ, obwohl die Ergebnisse noch nicht einmal richtig ausgewertet waren, fiel auch hier Anfang 2000 die Beschränkung bei der Zuchtauswahl auf die Größe zu achten.
Dazu schreibt Mrs. Moira Hall, eine der erfahrendste noch lebende englische Züchterin: "Deutschland hat die Größenbegrenzung abgeschafft. Wie bedauerlich! Ich dachte man würde wenigstens in Deutschland durch die korrekte Größe die Entwicklung zu diesen modernen Whippets verhindern können." Und erklärt ferner: " Der Phänotyp des Whippets hat sich dahingehend verändert einen glamouröse Showtyp mit einem unzweckmäßigen Gangwerk zu kreieren.Das ist der Zug auf den sogenannte Spitzenleute aufgesprungen sind. Der Whippet ist ein moderater unattraktiver Renner und wurde von diesen Leuten wenig akzeptiert, weil er zu wenige Ausstellungserfolge verbuchen kann. Es gibt keinen Platz mehr für einen richtigen Whippet. Meine Bezeichnung für den moderen Whippet ist Barbie-Puppen-Hund."

Konkurrenz

Im WCD und auch im DWZRV veränderte sich einiges in Sachen Whippet. In jedem der Vereine hatten die Züchter offensichtlich großen Nachholbedarf. Es setzte eine Importwelle ein, wie nie zuvor in der deutschen Geschichte der Whippetzucht. Züchter, die jahrzehntelang ihrer Idee treu geblieben waren, begannen nun mit Importen einen völlig neuen und beinahe widersprüchlichen Whippettyp zu integrieren. Das Ausstellen gewann einen beachtlichen Zulauf. Die vermehrt eingesetzten ausländischen Zuchtrichter verhalfen zu einem internationalen Niveuaanstieg.

Der Standard warnt vor Übertreibungen in die eine oder andere Richtung. Die Trennung von Ausstellungs- und Rennwhippets scheint oberflächlich betrachtet vollzogen. Unterschiedliche Standardinterpretationen und die Ansichten über den Zweck eines Whippets haben sich gewandelt. Das vermehrte Engagement im Ausstellungswesen ist zu einem harten Wettbewerb geworden. Während noch vor Jahren eine ähnlich wettbewerbsorientierte Einstellung nur bei den Rennen zu finden war, hat sich inzwischen auch die Ausstellungsszene zu einem ehrgeizigen Konkurrenzkampf entwickelt. Während die Rennengagierten vornehmlich Wert auf schnelle Beine legen, suchen die Aussteller effekthaschende Details.

Was auf beiden Seiten, sowohl in der Rennszene, noch in der Ausstellungsszene, oftmals übersehen wird: Der Whippet ist ein moderater Hund ohne besonders imposante Eigenschaften und Merkmale. Aber er ist gebaut, um ein effektiver Kaninchenjäger zu sein. Der Standard beschreibt diesen Kaninchenjäger, dessen anatomische Verhältnisse so aufgebaut und aufeinander abgestimmt , dass seine Leistungsfähigkeit erhalten bleiben kann. Die Funktionalität eines Kaninchenjägers wird bestimmt durch Aufmerksamkeit, Antrittsstärke, Mut, Ausdauer, Jagdeifer, Wendigkeit und Robustheit.

Veränderungen

Immer schon gab es in der Whippetzucht eine natürliche Auf- und Abwärtsbewegung was die Größenentwicklung angeht. Das zieht sich durch die gesamte Rasseentwicklung. Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem sich Züchter und Zuchtrichter fragen, wo die Grenzen der Auslegung des Standards derzeit liegen. Die Grenze muss lauten: Typverlust und nicht eindeutiges Geschlechtsgepräge .
Und hier spielt erneut auch die Größe eine wesentliche Rolle.
Wenn der Anspruch an den Whippet entsprechend der Rassebeschreibung ausgelegt werden soll, dann ist für eine effektive Hetzjagd eine bestimmte Größe und ein dazu gehörendes Gewicht von Bedeutung.

Zwischen Körpergröße und Gewicht besteht eine Korrelation, d.h. mit jedem Zentimeter mehr an Widerristhöhe erhöht sich das Gewicht um ca. ein Kilo.

44 cm - 9 kg
46 cm - 10,5 kg
48 cm - 12,5 kg
50 cm - 14 kg
52 cm - 15,5 kg
55 cm - 18 kg

Messbare Ergebnisse wie Größe/Körpergewicht das Leistungsvermögen beinflussen, gewinnen wir nur bei whippetgerechten Coursingveranstaltungen. Der Whippet sollte in der Lage sein, sich auf der Stelle um 180 Grad zu drehen und die abrupten Richtungswechsel bei der Verfolgung des Kaninchens ausführen zu können. Je größer und schwerer ein Whippet ist, umso weniger kann er die Wendemanöver effizient ausführen, meist schießt der Hund zunächst über das Ziel hinaus und verpasst seine Beute, die sich hakenschlagender Weise in Sicherheit bringen kann.
Aus diesem Grund hat sich die moderate Größe für den Whippet am besten bewährt. Der größere Verwandte, der Greyhound, ist aus diesem Grund für die Jagd auf Hasen spezialisiert.

Leider wird in der Whippetliteratur und den Übersetzungen leichtfertig Hasenjagd und Kaninchenjagd im einem Atemzug genannt. Der Hase hat ein völlig anderes Fluchtverhalten und einen anderen Lebensraum als das Kaninchen. Letzteres lebt im Erdbau und hält sich zur Futtersuche im Umkreis seines Baus auf. Das Kaninchen flüchtet rasant und rettet sich durch abrupte Richtungswechsel in seine Behausung.
Der Hase hingegen lebt in den Feldfurchen und flüchtet schnell über weite Strecken.

Größe als Voraussetzung

Mary Lowe (Nimrodel) erklärt ihre Meinung dazu : "Vielleicht liegt heute der größte Fehler in der Rasse darin, dass Züchter und Aussteller nicht mehr danach fragen, ob ihre Hunde noch die Anforderungen der Jagd erfüllen können." Und sie schreibt an anderer Stelle: "Die wichtigsten Punkte eines Gebrauchshundes müssen selbstverständlich die Qualitäten sein, die ihn befähigen, seine Basisfunktion ausführen zu können. Im Falle des Whippets führt das zu einem Hund mittlerer Größe mit guten Beinen und Füßen, langer Lende, Stärke der Hinterhand, Ausgewogenheit und Gangwerk."
Der Standard des Whippet ist die Konstruktion eines Idealbildes. Wo an den Gebrauchszweck der Hunde gedacht wurde, ging es auch darum viele Probleme des zweckdienlichen Körperbaus zu ergründen. Was sich während der Jahrzehnte in Leistung bewährt hatte und erprobt war, lieferte den Beweis dafür, dass nur harmonisch gebaute Körper Spitzenleistungen vollbringen können. Es zeigte sich außerdem, dass ein harmonisch gebauter Körper auch immer schön ist. Aus solchen Überlegungen erwuchs die Erkenntnis, wie ein Whippet gebaut sein musste, um diese besonderen Jagdleistungen in vollem Umfang erfüllen zu können.

Wenn heute Whippets mehr und mehr im Hinblick auf die äußere Form gezüchtet werden, tritt der Gebrauchswert mehr und mehr in den Hintergrund. Es wird bald keine Rolle mehr spielen, ob ein Whippet sich noch bewegen kann, Hauptsache seine Erscheinung erfreut das Auge des Besitzers.
Diese Exterieurverliebheit und die Meinung, was gefällt, ist gut, führt unweigerlich in das andere Extrem. Es kann nicht darum gehen großrahmige , attraktive Whippets für die Show zu züchten, nur weil spezielle Liebhaber ein Faible für den Wettbewerb haben.

Abschluß

Whippetgröße und Whippetzucht gehören untrennbar zusammen, weil die moderate Größe und das dabei entsprechende Gewicht ein wesentlicher Punkt in den Rassemerkmalen ist, der beachtet werden muss. Ebenso wie eine gut zurückgesetzte Schulter und gute Knochen und Pfoten gefordert werden, muss auch das Erreichen des Idealmaß eine Herausforderung sein. Der Verlust des Whippettyps hängt mit dem Trend nach Übertreibungen zusammen. Zum idealen Whippettyp zählt auch eine mittlere Größe , die die harmonische Gesamterscheinung beeinflussen kann und in erster Linie dazu beiträgt, dem Whippet als effizienten Gebrauchshund ( z.B. im Coursing ) zu erhalten.

Autorin: Marianne Bunyan 4.Juni 2001

 
 

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