Laufen ist nicht gleich laufen
Artikel Nr. 7 vom 23.06.2001
Whippets sind Hetzhunde, die in der modernen Zeit arbeitslos geworden sind.
Ursprünglich waren sie als Kaninchenjäger gezüchtet und später
aufgrund ihrer Schnelligkeit zu Ragracings, der frühen Form der Windundrennen,
eingesetzt worden.
Windhundrennen für Whippets werden heute bei uns als Amateursport durchgeführt.
Bei diesen Hunderennen hetzen die Whippets auf einem Rasen- oder Sandgeläuf
einer ovalen Rennbahn über eine Distanz von mindestens 320 m. Vor ihnen
her wird ein Lockmittel (Hasenfell oder Plastiktüte) in einem unerreichbaren
Abstand gezogen. Für diese Hunderennen gelten bestimmte Regeln und der
Whippet muss erst "antrainiert" werden, d.h. er muss lernen, wie er
sich verhalten muss, um einen störungsfreien Ablauf des Renngeschehens
sicherzustellen. Der Hintergedanke dieser Hunderennen war es, den Whippets eine
Art Ersatzhetze für die nicht mehr mögliche freie Jagd zu bieten.
Inzwischen hat sich daraus ein Wettbewerb entwickelt . Windhundrennsport soll
im weitesten Sinne die Leistungsfähigkeit der Windhunde erhalten und damit
auch der Gesundheit der Rasse dienen.
Unterschied zwischen laufen und hetzen
Bewegen sich Whippets frei in Feld und Flur, dann laufen sie aus eigenem
Antrieb extrem schnell, sprinten in vollem Speed. Der freie Auslauf bietet
dem Hund die Möglichkeit, sich entsprechend seiner Konstitution und Kondition
Bewegung zu verschaffen.
Wird der Whippet beim Hunderennen auf ein Lockmittel angesetzt, verfolgt er
das aus einem angeborenen Trieb heraus. Der Anblick des bewegten Lockmittels
löst den Schlüsselreiz aus und das Verhaltens-repertoire läuft
"automatisch" ab (>Reiz > Reaktion >Verhalten). Das
heißt, der Hund hat keine Chance sich dem zu entziehen.
Gern wird vorgetragen, dass der Windhund freiwillig hetzt. Im Sinne des üblichen
Sprachgebrauchs wird hierunter verstanden, dass der Hund nicht von außen
gezwungen werden kann, Leistungen zu vollbringen, denen er eigentlich nicht
gewachsen ist. Dem ist aber keineswegs so. In dem Moment, wo der Whippet dem
Lockmittel nachjagt, entzieht er sich jeder Beeinflussung von außen und
wird erst dann Halt machen, wenn der "Hase" am Ziel liegen bleibt.
Auch verletzte Hunde hetzen bis ins Ziel, sogar mit (an)gebrochenen Beinen und
auch blinde Whippets sind schon Rennen gelaufen.
Triebbefriedigung ist eine Voraussetzung für das Wohlbefinden.
Ebenso wie Hunger durch die Nahrungsaufnahme befriedigt wird, wird der Hetztrieb
durch das Nachhetzen ausgelebt. Aber: Windhunde sind bei der Jagd nicht emotional
beteiligt, können also weder Freude noch Spaß dabei empfinden. Das
Hineininterpretieren von Freude, die sich im "grinsenden Gesicht"
des Windhundes nach einem Lauf abspiegelt, ist eine vermenschlichte Darstellung.
Durch die Anstrengung und Belastung nach einem Lauf, vergrößert der
Hund durch ein breites "Grinsen" lediglich die Schleimhautoberfläche
für die Belüftung durch Hecheln, um seinen Körper wieder auf
den Normalzustand hinunterzufahren.
Dass ein Windhund bei einem Rennen über eine Strecke von 400 bis 450 m
einer enormen psychischen und physischen Belastung ausgesetzt ist, wird
in den einschlägigen Lehrbüchern der Physiologie beschrieben. Anders
als bei einer Jagd im freien Feld, die durch das Fluchtverhalten der Beute bestimmt
wird, hat der Windhund beim Hunderennen nur die Option, dem beständig,
in für ihn unerreichbarem Abstand, gezogenen maschinellen Lockmittel zu
folgen. Messungen von Blutwerten bei Greyhounds kurz nach dem Rennen haben ergeben,
dass dabei eine lebensbedrohliche Situation entsteht, weil der phWert
unter 7,0 fällt.
Durch die Bahnrennen, dessen Geläuf in der Regel einem Ovalkurs mit drei
Kurven folgt, verlagert sich das gesamte Körpergewicht in den Kurven und
lastet einseitig auf dem linken Karpalgelenk und dem linken Außenzeh.
Um den Fliehkräften entgegenzuwirken, begibt sich der Rennhund in die Schräglage,
je schneller er ist, umso mehr legt er sich in die Kurve.
Windhundrennen ist Höchstleistungssport
Die athletischen Sporthunde erbringen bei einem Rennen oder Training auf der
Bahn oder im Coursing Höchstleistungen, die mit dramatischen Veränderungen
des Organismus einhergehen. Ein Lauf über eine 400m Strecke fordert den
Greyhound bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Da der Whippet
bezüglich Schnelligkeit dem Greyhound am nächsten kommt, dürften
diese Erfahrungen auch auf ihn zutreffen. Tatsächliche Messwerte liegen
für Whippets nicht vor, weil das kommerzielle Interesse fehlt.
Bei Spaziergängen im freien Feld, kann sich der Whippet seinen Fähigkeiten
und seiner Kondition entsprechend bewegen und ausrennen. Auch verschiedenartige
und häufigere Sprints erfolgen aus eigenem Antrieb und der Hund regeneriert
sich durch Pausen oder Hinlegen.
Wer seinen Whippet zu Rennen oder Coursings oder Trainings bringt, bietet dem
Hund die Möglichkeit einer seiner Veranlagung und seinen Eigenschaften
entsprechenden Beschäftigung. Der Einsatz bei diesen Rennveranstaltungen
darf jedoch nicht damit verwechselt werden, dem Hund einen Auslaufersatz bieten
zu wollen. Rennen hat mit Bewegung und Auslauf nichts zu tun.
Es gibt Whippetbesitzer, die glauben, sie müssten ihren Hund unbedingt
auf die Rennbahn bringen, wenn sie ihm gerecht werden wollen. Das stimmt jedoch
nur für den Fall, dass der Whippet sachgemäß ! auf den Hochleistungssport
vorbereitet wird.
( Siehe hierzu auch "Die Todsünden der Whippethaltung")
Autorin: M.Bunyan 22.Juni 2001 |