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Moderne Whippets - Trendwende zum Typverlust?

Artikel Nr. 1 vom 31.1.2000

Whippet von 1940

Ein Whippet um 1940

Whippet aus dem Jahr 2000

Ein Whippet aus dem Jahre 2000

Sind Sie sicher, daß die Rasse WHIPPET noch existiert?  Wenn ich mich recht erinnere, ist der  Whippet ein Hund ohne irgendwelche Übertreibungen, der fähig ist, seine Arbeit zu tun, der auf einem Sixpencestück wenden kann.  Wieviele dieser topwinning Whippets heute sind noch dazu in der Lage ? Wir finden etwas , das Brauereipferden ähnelt , die in der Masse übertrieben sind oder stilisierte Giraffen, als das andere Extrem. Es war  bereits in Skokkloster (größte Windhundaus-stellung der Welt) vor 7 Jahren offensichtlich, als alle Ersten jeder Klasse im grossen Ring vorgestellt wurden.  Die Veteranen waren die Kleinsten und Zartesten  und die Linie war eindeutig aufsteigend bis hin zu der Kräftigsten und Größten in der  Welpenklasse.  Ohne Zweifel ist es der " reizende Ausdruck, ", den wir suchen, aber ein Whippet ist keine spektakuläre Rasse,

Typverlust als wesentliches Problem

Ausdruck sollte nur das Tüpfelchen auf dem
I sein. Es ist zutreffend, daß der Kopf einer Rasse ein sehr attraktiver Teil ist, aber "daß Whippets nicht auf dem Kopf laufen", sollte  genausowenig eine Entschuldigung für häßlichen Ausdruck sein. In der Tat: Übertreibungen sind zu vermeiden.Um ihre Arbeit als Kaninchenjäger ausführen zu können, müssen die Hunde harmonisch gebaut sein und mit dem geringsten Energiebedarf den größtmöglichen Jagderfolg erreichen können.

Eine wichtige Sache muss erwähnt werden: wir verlieren mehr und mehr  das  Auge für den Whippet. Whippets werden schwerer und schwerer, höher und mit  runden Knochen und aufrechter Vorhand und geraden unbeweglichen Fesseln, einer abfallenden Rückenlinie  und einem Showgangwerk geeignet für kleine Ringe, das sehr großartig aussehen kann, wobei der Hund aber mehr oder weniger auf der Stelle tritt, keinen Boden gewinnt . Unbewegliche Sprunggelenke sind nun noch hinzugekommen mit einer fast 90° Winkelung, wobei der Hund zunächst wie ein Citroen das Heck hinunterfahren muss, um überhaupt vorwärts zu kommen. Wo ist das sog. "daisy cutting movement" geblieben ?

Illustration nach dem Standard

Illustration des Gangwerks nach dem Standard

Wenn sich einmal unter die anderen ein typischer Whippet von gemäßigter Art und  Größe mengt, von dem man auch Leistungsfähigkeit erwarten kann, wird er das Auge des Betrachters stören und er scheint eine unerwünschte Ausnahme zu sein. Weil er im Vergleich zu den Topwinnern so völlig anders aussieht, muss er für diejenigen  "merkwürdig" sein, die den Standard nicht begriffen haben.

Geschlechtsgepräge geht verloren

Heute haben wir Hündinnen, die extrem kräftig sind und es gibt kaum noch auf den ersten Blick einen Unterschied zwischen Rüde und Hündin.  Dies ist die andere extreme Entwicklung. Es scheint, dass Richter und
Züchter zu viel Angst davor hatten, dass der Whippet verfeinern könnte, was jedoch seine eigene Grenze findet, wenn die Hunde dadurch krank oder verletzungsanfällig werden. Nicht zu vergessen kommt diese Rasse von verschiedenen Backgrounds und solange wir die große Variationsbreite in Format, Größe und Erscheinung haben, können wir sehr glücklich sein.

Wenn wir immer noch die Leistungsfähigkeit als eine Voraussetzung  für die Zuchtauswahl anerkennen würden, hätten wir einen viel  rassetypischeren und funktionellen Whippet.  Warum ist das so? 

Leistungsfähigkeit kommt zu kurz

Verschiedene  Whippettypen bei einem Coursing liefern den Beweis.  Der zu schwere und  viel größere Whippet ist gegenüber dem kleineren, leichter gebauten im Nachteil, weil er der Attrappe nicht mit gleicher Dynamik und Schnelligkeit folgen kann wie der Kleinere. Der Jagderfolg bleibt dem Hund vorbehalten, der für diese Arbeit gezüchtet wurde und die Fähigkeiten besitzt,  fast im selben Moment wenden und drehen zu können.

Was hat sich seit den Anfängen der Whippetzucht bis heute so sehr verändert? Eine Sache ist vielleicht die Art der Aufzucht und wie die Hunde gehalten werden. In den Anfängen lebten vielleicht ein oder zwei Hunde in den Familien, selten mehr als eine Handvoll. Die Hunde lebten mit ihren Besitzern, schliefen im Haus , wenn nicht sogar im Bett und die Hunde wurden gut behandelt, damit sie fit blieben, um die nächste Mahlzeit fangen zu können. Viele Dinge haben sich verändert.

Ausstellungen  und das Vorführen von Hunden wurden populär. Und wenn man es einmal überdenkt: In welchem anderen Lebensbereich kann eine gewöhnliche Person soviel Aufmerksamkeit erzielen ohne irgendetwas zu tun? Deshalb benutzen einige - und es sind mehr als man glaubt - Hunde, um sich zu profilieren. Die Showsysteme mit den Toptenlisten drängen zum Erfolg und für die meisten Besitzer ist ein Hund ohne Championtitel nichts wert. Viele Showambitionen erfordern viele Whippets. Nicht nur in Übersee auch in Europa wird es immer üblicher Hunde in Käfigen oder Zwingern zu halten.

Besonders Besitzer oder Züchter, die mehr als eine handvoll Whippets besitzen finden es bequemer, wenn die Hunde eingesperrt sind. Die Hunde sind nicht mehr die Familienmit-glieder, in vielen vielen Fällen wird der Whippet zu einem einfach zu handhabenden Sportgerät: sauber, einfach zu handeln und vorzubereiten. Aus diesem Grund können viele Whippets gehalten werden, zu viele !

Ohne Beurteilung keine Zucht

Whippets die unter diesen Bedingungen gehalten werden, können auch nicht mehr richtig beurteilt werden, und wenn sie nicht richtig beurteilt werden können, wie können sie dann für die Zucht im Sinne des Standards ausgewählt werden ? Weder Leistungsfähigkeit noch Wesen wird überprüft. Whippets, die nicht sozialisiert wurden und für schlechtes Verhalten entschuldigt werden, sind ein ernstes aufkommendes Problem. Wir kennen es aus der Ausstellungsszene ebenso wie aus der Rennszene.

Die Richter können nur das richten, was sie sehen, und das im Hinblick auf ihre eigenen Erfahrungen und der Art und Weise wie sie selbst ihre Hunde halten und züchten. Die Sieger können deshalb sehr unterschiedlich sein. Wenn der sogenannte "moderne Whippet" das Resultat des vorher Gesagten ist, haben die meisten Topwinner unserer Tage sehr wenig mit Whippets zu tun. Sie haben das Wesentlichste verloren:  Den Rassetyp.

Wenn Beziehungen und Exportinteressen größer sind als die Grundkenntnisse an der Rasse Whippet, dann bekommt das Wort Erfolg eine andere Bedeutung. Was ist Erfolg? Wieviele Championtitel der Besitzer mit seinem Hund zustande gebracht hat, wieviele Welpen verkauft wurden oder wieviele Hunde der Züchter exportiert (oder importiert) hat in alle Winkel der Welt? Whippets sammeln und ausstellen;  aber die Zucht nach einer eigenen Idee scheint  rar geworden.

Was ist Erfolg wirklich ?

Meiner Meinung nach kann Erfolg nur eine Bedeutung haben: Whippets züchten, die dem Standard so nah wie möglich kommen, d.h. die in der Lage sind, ihren Job als Familienpartner ebenso zu erfüllen wie sie effektiv  im Coursingfield jagen und höchstanpassungsfähig sind. Wissen die Verantwortlichen für die Rasse wirklich noch,   was im Standard geschrieben steht...und haben sie je die Zusammenhänge verstanden ?

Man hat mir gesagt, so zu denken sei "altmodisch". Nun so denken viele, die sich mit Whippets befassen, und besonders die Anfänger glauben, so wie sich alles ändert, müsse sich auch der Whippet verändern.

Wer hat noch eine Idee von der Rasse ?  Weder die Züchter ;  ebensowenig viele  Richter.  Es ist keine großartige Sache einen schönen Kopf , eine attraktive Farbe oder ein auffälliges Gangwerk zu erkennen.  Genau das gleiche mit Fehlern. Jeder Anfänge kann Fehler zusammenzählen und daraus ein vernichtendes Urteil fällen.

Qualitäten erkennen lernen

Um die Qualitäten auf einen Blick zu erkennen bedarf es mehr.Wenn jemand keine Idee von der Rasse hat, wird das Richten und Züchten nur zu einer Angelegenheit  bevorzugter Details. Und hier ist der Anfang vom Ende: die Ausstellungssieger sind meist nur deshald ausgewählt, weil sie besonders attraktiv und glamurös sind. Die Topsieger sind aber auch die bevorzugten Zuchtrüden. ..und Stück für Stück verändert sich die  Gesamterscheinung und ähnelt der des "populären" Siegers. Und jeder gewinnt den Eindruck, dass es sich hierbei um das Beste in der Rasse handeln muss.                               

Es war noch niemals so populär wie heute Hunde auszustellen und mit ihnen zu gewinnen, die aus allen möglichen Teilen der Erde importiert wurden, während die eigene Zucht zu Hause gelassen wird. Warum? Meine Erklärung dafür ist der Mangel an Geduld. Alles muss  schnell gehen heutzutage.

Hundezucht und das Erreichen eines Ideal erfordert soviel Geduld, Ausdauer, Durchhaltevermögen. Die modernen Züchter wollen keine Zeit vergeuden mit Hoffen und Warten. Sie wollen gewinnen und sie wollen verkaufen und das alles am besten gleich. Aber was wird aus dem Hund? Was wird aus dem besten Freund und Begleiter, der ein Whippet sein kann? Die Hundewelt ist aufgeteilt in zwei Sparten: die wettbewerbsorientierten Besitzer und die Familienhundbesitzer. Ich möchte nicht das Wort "pet" benutzten, denn es hat einen niedrigeren Stellenwert. Die meistgezüchteten Whippets leben als Familienmitglieder, werden geliebt und betreut und als Hunde mit eigenen Bedürfnissen akzeptiert. Für ein Leben in der Familie ist der Whippet der bestgeeignetste Hund, den man sich vorstellen kann.

Brauchen wir noch einen Standard ?

Wenn das so ist, brauchen wir dann überhaupt einen Standard? Mit den Anforderungen des Britischen Whippet Standards erhält die Rasse einen Richtrahmen für gesunde  physische und psychologische Entwicklung und Vollkommenheit sowie Schutz vor allen Formen von Übertreibungen.

Das Augenmerk in der Zucht muss auf die Aufzucht unter wissenschaftlichen Erkenntnissen gerichtet werden. Welpen müssen mit aller Sorgfalt, Zeit und dem Wissen aufgezogen werden, damit sie später gesunde, fröhliche Hunde sein können, die sich voll in Familie und Gesellschaft integrieren können.Die Züchter sind die ersten, die in der Pflicht sind, ihre Whippets als Lebewesen mit eigenen Ansprüchen und  Bedürfnissen zu respektieren.  Züchter sind verantwortlich für das Wohlergehen unserer Hunde.  Ich bin mir nicht darüber im klaren, ob das für alle Züchter eine Selbstverständlichkeit ist. Wie ist es erklärlich, dass einige Hunde quer durch die Kontinente verschickt werden, um dann wieder zurück zu kehren? Wie kann man ein "Stopfen" wie bei Gänsen rechtfertigen? Wie steht es mit 7 oder gar mehr Würfen aus einer einzigen Hündin ? Und was ist damit jedes Wochenende auszustellen bis der Hund ausgebrannt ist ? Wenn das erst einmal Schule macht, werden viele andere den Beispielen folgen.

Qualität kennt keine Mode

All das zusammen führt uns auf die Spur, weshalb sich der Whippet so verändert hat.   Es gibt zum Glück noch überall auf der Welt Whippetenthusiasten, die ihre Whippets in der  altherbegrachten Form bewundern, und das ist gut zu wissen.  Ein qualitativ hochstehender Whippet ist keine Frage des Modegeschmacks.

M.Bunyan Jan.2000 Thanks to Eva Maria Krämer and Christa Riebel for support. Our Dogs issues courtesy from  Eva Maria Krämer

 
 

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