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Buch: Whippet - Der richtige Hund für Sie?

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Zuchtrichter-Terminologie

Artikel Nr. 6 vom 23.05.2001

Was Richterberichte verraten

Jeder Whippet erhält in unserem Land einen ausführlichen Richterbericht, sobald er ausgestellt wird. In diesem Formular beschreibt der Richter den ihm vorgestellten Hund nach subjektiven Eindrücken. Die Exterieurmerkmale werden beginnend mit der Angabe der Größe, Zahnstatus, Alter, Farbe und Beschreibung der Farbverteilung, Augenfarbe, Gesamterscheinung aufgelistet.. Dann folgt die Beurteilung von Kopf, Hals, Ober- und Unterline, der Gliedmaßen usw. sowie des Gangwerks. Das Wesen oder besser Verhalten des Whippets und manchmal auch Aussagen über das Präsentieren. Das Gesamtergebnis wird in Form einer Wertnote ausgedrückt. Die höchstmögliche Note ist vorzüglich (v ); außerdem können vergeben werden: sehr gut (sg) , gut (g), genügend (ggd) disqualifiziert (disq).

Richterberichte beinhalten besondere Fachausdrücke, die den meisten Ausstellern wenig sagen. Dass ein Whippet rot mit schwarzer Maske oder blaugestromt ist, erkennt jeder selbst. Bei der Augenfarbe oder der Farbe des Nasenschwamms können schon Zweifel auftreten und jeder Beurteiler interpretiert für sich selbst, ob hell nun ‚"zu" hell oder der Fellfarbe angepasst ist. Farbe und demzufolge auch Augenfarbe spielen beim Whippet nach dem FCI-Standard keine Rolle. Wenngleich einige Richter auch bei einem blauen Whippet ein dunkles Auge vorziehen. Genetisch bedingt verdünnt z.B. das "blaue" Farbschwächungsgen d (=Dilution) die Augenfarbe, wenn es doppelt vorkommt , sogar in rauchig grau. Bei Vorkommen von blau-vedünnter Fellfarbe sind tiefdunkle (= dunkelbraune ) Augen also genetisch gar nicht möglich. Wenn eine Auslese auf tiefdunkle Augen erfolgt, wie z.B. in den USA ( Der Amerikanische Whippetstandard fordert ein solches ) werden blau-verdünnte Whippets immer seltener. Bezüglich des Nasenschwamms sind laut FCI Standard auch sog. Schmetterlingsnasen ( teilweise fehlt das Pigment) erlaubt und kein Fehler.

Die Richterberichte

Der ausgebildete Zuchtrichter diktiert seine subjektiven Eindrücke, während er den Hund in der Einzelbewertung vor sich hat. So wird der Whippet zunächst im Stand präsentiert (bei vielen internationalen Richtern auf dem Tisch ). Das hat den Sinn, dass der Zuchtrichter jeden einzelnen ausgestellten Whippet anhand der Rassemerkmale nach dem Standard überprüfen kann. Gesamterscheinung, Rassetyp, Körpermerkmale, Gebäude und Gangwerk. Das Gangwerk muss sowohl in der Seitenansicht als auch im Kommen und Gehen betrachtet werden können.

Die Aufzählung der einzelnen Punkte macht nur scheinbar keinen Sinn. Außerdem sind einige Fachbegriffe verwirrend und unverständlich. Was ist eine steile Vorhand ? Was bedeutet Schub ? Wie drückt der Beurteiler sich aus ? Meint er was er sieht, oder hat er vielleicht einen anderen Blickwinkel ?
Jeder Anfänger beginnt damit, seinen Hund selbst zu beurteilen und lernt auf diese Weise, dass er bald auch "unter das Fell" schauen muss, d.h. sich mit Anatomie, Genetik und letztendlich dem Standard auseinanderzusetzen.

Beispiele

Muster von Richterberichten über die Hündin "Mary"

1. Richterbericht

3 Jahre alte, 46,5 cm große, elegante, gestromte Scheckenhündin, von vorzüglichem Gesamteindruck, etwas feiner Fang, korrekt und gefaltete Rosenohren, dunkle Augen, korrekte Hals-Rückenlinie, leicht steil in der Vorhand, gute Brusttiefe, gute Aktionen mit Schub aus der Hinterhand, vorn etwas pfoteneng, hinten ab Sprunggelenk etwas eng geführt. Haarkleid im Schenkelbereich etwas schütter. Freundlich im Verhalten.
V 3
( DWZRV Richter)

Erklärung:
Der Richter beschreibt eine typische Whippethündin, d.h. durch seine Aussage "von vorzüglichem Gesamteindruck" hat er erkannt, dass es sich um eine dem Standard nahe kommende Rassevertreterin handelt. Der Gesamteindruck ist jeweils über alle Detailfragen zu stellen. Ein korrekt gebauter Hund muss nicht zwangsläufig ein typischer Whippet sein . Da es sich aber um einen Vergleich mit den Rassemerkmalen handelt, hat eine solche Aussage Priorität. Die Qualität eines Hundes richtet sich in erster Linie immer danach, ob ein Hund die Rassemerkmale in vorzüglicher Weise erfüllt. Kleine Mängel treten in den Hintergrund.
Die Aussage "etwas feiner Fang" bedeutet, dass die Proportionen des Kopfes nicht in der erwünschten Ausprägung vorgefunden werden. Der Standard fordert einen Fang mit kräftigen Kiefern, damit der Whippet seine imaginäre Beute greifen und festhalten kann.
Die "korrekte Hals-Rückenlinie" deutet auf eine gut anliegende und zurückgesetzte Schulter, die ebenfalls funktionelle Aspekte erfüllt. Der Übergang von der Halslinie in den Rücken ist fließend und entsprechend des Standards. Hingegen weist "leicht steil in der Vorhand, gute Brusttiefe" in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Oberarm zu kurz ist und deshalb die Vorderläufe nicht wie erwünscht unter dem Körper stehen, sondern leicht vorgestellt sind. Dadurch wird der Eindruck der nicht perfekten Brusttiefe erweckt. Durch den etwas kurzen Oberam leidet auch das Gangwerk. Die Aussage "gute Aktionen mit Schub aus der Hinterhand" heißt, dass die Bewegung in der Vorhand eben nur ausreichend und nicht perfekt ist. Wenn sich ein Hund in Bewegung setzt, stößt er sich mit dem Hinterlauf vom Boden ab. Dabei sollte die gesamte Fußsohle zu sehen sein. Schub bedeutet, dass der Hinterlauf in den Boden gestemmt wird und die sich daraus ergebende Kraft in eine Vorwärts-Aufwärtsbewegung übertragen und vom Rücken weitergeleitet wird. Der von hinten kommende Schub wird in der Vorhand aufgefangen und weitergeleitet, kann aber nur dann ökonomisch sein, wenn die Konstruktion der Vorhand keine Mängel aufweist. In diesem Beispiel kann der Vorderlauf nur soweit nach vorn gebracht werden, wie es die Knochenlänge des Oberarms erlaubt. Je länger der Oberarmknochen ist, umso größer ist der Aktionsradius. Dem Standard entsprechend sollte der Whippet ein bodendeckendes weit ausgreifendes Gangwerk aufweisen. Mit "vorn etwas pfoteneng" meint der Richter möglicherweise, dass die Pfoten einwärts gedreht sind, was auf eine Schwäche im Karpalgelenk hinweisen kann. Es kann aber auch gemeint sein, dass der Whippet die Pfoten in der Bewegung nah zur Mittellinie unter den Körper bringt, was von einigen Richtern als fehlerhaft geahndet wird. Eine wirtschaftliche Bewegung, d.h. mit dem geringsten Energieaufwand den größtmöglichen Boden gut machen, ist immer dadurch gekennzeichnet, dass der Hund, je schneller er geht, dazu neigt, seine Läufe unter den Schwerpunkt des Körpers zu bringen.

2. Richterbericht

Sehr feminine, korrekt große Hündin, sehr schöner Ausdruck, sehr gut angesetzte Ohren, schöner langer Hals, sie ist für meinen Geschmack etwas zu kompakt gebaut, sie hat einen sehr schönen tiefen Brustkorb, schönen kräftigen Knochenbau, sie könnte etwas mehr Schub brauchen, ansonsten ist das Gangwerk in Ordnung, sehr gut vorgeführt.
V 2, ResCAC, ResVDH
(dänische Richterin)

Erklärung :
Dieser Bericht beginnt mit einer wichtigen Aussage: "Sehr feminine, korrekt große Hündin, sehr schöner Ausdruck". Sehr feminin bedeutet, dass diese Hündin eindeutig Geschlechtsgepräge besitzt und von Standardidealmaß ist. Der sehr schöne Ausdruck deutet wieder auf den Rassetyp hin. Die Bemerkung "etwas zu kompakt gebaut" könnte sich darauf beziehen, dass die Richterin ein lang gestrecktes Format vorziehen würde, d.h. einen längeren Rumpf und eine längere Lende. Im Gegensatz zum ersten Richterbericht wird hier der Mangel an Schub beklagt ( siehe oben).

3.Richterbericht

Sehr schöne, typische Hündin, korrekter Kopf, Augen und Ohren,sehr gute Halslinie, gute Pfoten, gute Schulter und Front, sehr gute Außenlinien, exellent gewinkelte Hinterhand, prima Haar, Bewegung seitlich gesehen flüssig, von vorne und hinten etwas geringfügige Instabilität
V
(VDH Richterin)

Erklärung :
Auch in diesem Richterbericht wird der Rassetyp besonders hervorgehoben, was durch die Aussage "sehr gute Außenlinien" zusätzlich betont wird. Die "exellent gewinkelte Hinterhand" gibt Anhaltspunkte für die Funktionalität. Ein Whippet muss als ehemaliger Kaninchenjäger in der Lage sein, abrupte Richtungswechsel durchführen zu können und eine enorme Antrittsgeschwindigkeit erreichen. Die Konstruktion und Stellung der Hinterhand ist somit kein ästhetisches Kriterium, sondern ist bedingt durch die Funktionalität. Die Länge und Lage bzw. das Verhältnis der Knochen zueinander und deren Anordnung gibt Aufschluss über das das Leistungsvermögen. Diese Richterin hat die Qualitäten erkannt und erwähnt, was wiederum Rückschlüsse auf ihre Kompetenz zulässt.

4. Richterbericht

Sehr feminine Hündin von 5 Jahren, mit einem wunderschönen feinen Fell und schöner outline, feiner Kopf, dunkle Augen und gute Ohren, kompl. Scherengebiss, gute Front, schöne, feine Knochen, gute Oberlinie, Kruppe und Hinterhand, bewegt sich gut von der Seite, vorne ein wenig lose, aber eine sehr schöne Hündin.
V1, CAC, VDH
(englische Richterin)

Erklärung :
Dieser Bericht unterscheidet sich vom zweiten bezüglich der Knochenstärke. Eine Korrelation (= Bestimmte Merkmale stehen im Zusammenhang und führen zur Verstärkung oder zur Abnahme des anderen Merkmals ) zwischen Laufknochenstärke und Kopf/Fang besteht . Diese Richterin ist sich offenbar über die genetische Komponente im Klaren, wenn sie einen feinen Kopf und feine Knochen erwähnt.

5. Richterbericht

Vollz. Scherengebiss, 45,5 cm, sandgemantelt mit wenig Stromung, korrekt aufgebaute harmonische Hündin, proportionierter Kopf, dunkle Augen, sehr gut getragene Ohren, vorzügliche Halshaltung und Länge, korrekter Verlauf der Oberlinie, tiefer Brustkorb, Winkelungen der Vor- und Hinterhand korrekt. Ausgreifendes Gangwerk, leider wird dabei nicht der Kopf gehoben.
V
(DWZRV Richter)

Erklärung :
Dieser Richterbericht beschreibt eine "korrekt aufgebaute harmonische Hündin" und meint damit eine wohlproportionierte Erscheinung. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, ob es sich um einen Whippet handelt, weil keine Angaben zum Rassetyp abzuleiten sind. Die ergänzende Aussage zum Gangwerk "leider wird dabei nicht der Kopf gehoben" zeigt, dass der Richter ein ästhetisches Merkmal hervorhebt, dass einer wirtschaftlichen Bewegung zuwiderläuft. Eine effiziente Vorwärtsbewegung erkennt man an einem ruhig gehaltenen Widerrist mit einem nach vorwärts gerichteten Kopf , der keinerlei Pendelbewegungen ausführt. Durch spezielle Vorführtechniken werden Whippets an der Vorführleine hochgerissen und -gehalten. Dadurch bleibt der Kopf in einer aufrechten aber unnatürlichen Position. Die Bewegung wird künstlich dirigiert und beeinflusst.

Warum Richterberichte so unterschiedlich ausfallen können

Die vorstehenden fünf Richterberichte machen deutlich, wie verschieden derselbe Hund beurteilt wird, teilweise mit widersprechenden Angaben. Wie kann das möglich sein?
Die praktische Exterieurbeurteilung von Merkmalen erfolgt nach ausschließlich subjektivem Ermessen. Der persönliche Geschmack des Richters, seine Erfahrung und Kompetenz in der Rasse spielen eine wesentliche Rolle, vor allem dann, wenn Meinungen über die Interpretation des Rassestandards innerhalb des Zuchtverbandes oder durch fehlende oder übertriebene
(Renn-)Leistungsansprüche auseinander
gehen . Ganz besonders wenn sich durch Modetrends Änderungen in der Meinung zum Standard ergeben, ist eine weitgehend objektive Benotung eines Whippets nur schwer möglich.
Weiter erschwerend wirkt sich die Art und Weise der Beschreibungen durch die Richter aus. Wenn statt "gute Pfoten" eine Beurteilung wie "gut aufgeknöchelte Pfoten mit starken Ballen" gewählt wird, ist das wesentlich aussagekräftiger.

Anhand der Richterberichte lassen sich Aussagen über den Richter selbst ableiten. Bei uns sind Hundeausstellungen (noch ) Zuchtschauen im herkömmlichen Sinne. Sie sollen einen Überblick über die Zuchtqualität geben. Richterberichte mit einer Aufzählung von ohnehin offensichtlichen Fehlern ohne eine Aussage über die Qualitäten des Hundes sind weniger wertvoll. Es gibt keinen Hund, bei dem es nicht noch etwas zu verbessern gäbe. Aufgelistete Merkmale, die bemängelt oder als "korrekt" beschreiben sind, helfen bei der Zuchtwahl wenig. Wichtiger ist das Herausstellen der Qualitäten und das zeichnet einen guten Zuchtrichter aus.

Marianne.Bunyan 23.05.2001

 
 

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