Todsünden der Whippethaltung
Artikel Nr. 5 vom 05.05.2001
1. Prägung der Whippetwelpen auf ein Lockmittel
Wenn bereits in der Entwicklungsphase der Welpen, der Hetzinstinkt manipuliert
wird und gleichzeitig andere Verhaltensweisen nicht gefördert werden (
Unterordnung ),
wird ein Hund entstehen, der "hasenscharf" ist, aber für das
problemlose Zusammenleben in der Gemeinschaft verdorben wird. Seine Reizschwelle
für sich fortbewegende Objekte ist herabgesetzt und er wird allem nachjagen,
was sich bewegt. Ein Umstand, der heute nicht mehr in die Vorstellung von einer
sozial-gesellschaftsverträglichen Hundehaltung paßt.
2. Beginn des Trainings auf der Rennbahn
Whippets werden viel zu früh an das Training auf der Rennbahn ( oder Coursing)
herangeführt. Auch von Seiten vieler Züchter und Funktionäre
werden etwaige Bedenken zerstreut und das "Mal-eine-Runde-laufen-lassen"
ist noch immer übliche Praxis. Die Jungtiere sind weder in ihrer physischen
noch psychischen Entwicklung ausgereift, um derartige Belastungen ohne Schäden
zu überstehen.
Ein der Entwicklung und dem Lebensalter adäquater Beginn für die "Ersatzhetze"
sollte individuell festgesetzt werden, aber auf keinen Fall vor Vollendung des
12. Lebensmonats beginnen.
3. Unsachgemäße Verhaltensentwicklung
Whippets, die zu Rennen eingesetzt werden sollen, werden in der Regel von ihren
Besitzern nicht sachgemäß vorbereitet.
Es gehört zur Natur des Hundes, sich in eine Gemeinschaft einzuordnen,d.h.
auch, dass es seinem Wesen entspricht, erzogen zu werden. Auch Whippetbesitzer
glauben teilweise noch, dass sie ihren Hund nicht erziehen dürfen, weil
er dann keine (ausreichende) Rennleistung mehr bringt.
4. Fehlende ausgleichende Beschäftigung
Whippets, die als Rennhunde gehalten und eingesetzt werden, haben in der Regel
nur diese eine Bestimmung. Dadurch werden Whippets ungenügend in Anspruch
genommen und die Beschäftigungsmöglichkeiten lediglich auf das Rennbahntraining
beschränkt. Hier folgt der Hund seinem Instinkt und übt lediglich
eine natürliche Bewegung aus, ist aber innerhalb der sonstigen Zeit unausgelastet,
vor allem, was die psychische Komponente eines sozialen, lernwilligen Lebewesens
angeht. Motivation für Erlerntes fehlt. Das kann zu Störungen im Verhalten
führen.
5. Einschränkung der Bewegungsfreiheit
Durch fehlende Rangordnung und unsachgemäße Erziehung, sind viele
Whippets ranggleich oder gar ranghöher als der Besitzer. Um Gefahren durch
Weglaufen abzuwenden, werden viele Rennhunde ihrer freien Bewegungsmöglichkeiten
beraubt und fristen ihr Leben an der Leine.
6. Mangelhafte Kondition
Whippets, die sich nicht oder nur sehr selten frei in Feld und Flur bewegen
dürfen, haben entsprechend wenig Möglichkeiten artgemäße
und verhaltensgerechte Lebensbedingungen vorzufinden. Durch eingeschränkten
Bewegungsfreiraum haben diese Whippets auch kaum Gelegenheit eine gute Kondition
aufzubauen.
7. Unsachgemäße Vorbereitung
Wenn fehlende Bewegungsmöglichkeiten die Ausbildung und Entwicklung der
physischen Leistungsfähigkeit bedingen, und der Whippet nur einmal in der
Woche auf die Rennbahn gebracht wird, werden von ihm Leistungen abverlangt,
zu denen er rein körperlich nicht in der Lage ist. Es zählt auch zu
einer sachgemäßen Vorbereitung, dass der Whippet seine entsprechend
der angeborenen Anlagen und erworbenen Eigenschaften ausgerichtete regelmäßige
Bewegung hat.
8. Fehlendes Konditionstraining
Vielen Whippets fehlt durch die restriktive Bewegungsfreiheit die erforderliche
Kondition, die für Windhundrennen oder Coursing unerläßlich
ist.
7. Überschätzung des Renntrainings
Viele Whippetbesitzer schätzen das Rennbahn- (oder Coursing-) Training
falsch ein und glauben, es wäre eine Art Auslauf bzw. Bewegungsersatz.
"Wenn der Hund in der Woche schon keine Bewegung hat, dann muss ich wenigstens
mit ihm auf die Rennbahn gehen."
8. Unterschätzung der Leistung
Selbst Funktionäre des Windhundsports sprechen von dem Rennbahntraining
oder von Windhundrennen in der Form, dass es sich dabei um eine Art Auslaufersatz
handelt. Tatsächlich werden den oft untrainierten Whippets aber Leistungen
abverlangt, denen die Hunde in den seltensten Fällen gewachsen sind.
9. Mangelhaftes Aufwärmen vor dem Start
Wenn Whippets zu Trainings- oder Rennläufen eingesetzt werden, kommen
sie in der Regel direkt vom Auto aus in den Startkasten. Nur sehr wenige Whippetbesitzer
scheinen zu wissen, dass die Muskulatur der Hunde zunächst erwärmt
werden muss, um Verletzungen vorzubeugen. Das Erwärmen der Muskulatur kann
jedoch nur durch Bewegung erfolgen . Dazu wäre es notwendig, jeden Whippet
vor seinem Start gute 10 Minuten in gleichmäßiger Trabaktion zu führen.
10. Außentemperaturen
Windhundrennen ( und Coursings) werden von Frühjahr bis Herbst veranstaltet
und auch bei hohen Temperaturen durchgeführt. Zu der ohnehin schon extremen
Belastung durch die Rennen, kommt der Faktor Hitze hinzu.
11. Distanzen
Viele Coursingdistanzen sind zu lang. 700 und mehr Meter sind Distanzen für
die Langstreckenläufer ( Barsoi, Sloughi z.B.) unter den Windhundrassen.
Sie werden aber gleichermaßen auch für die Whippets angewendet. Der
Whippet ist der geborene Kaninchenjäger. Er muss seine Beute auf kürzester
Distanz erreichen und es widerspricht dem natürlichen Fluchtverhalten des
Kaninchens weite Strecken zu überwinden. In der Regel entfernen sich Kaninchen
bei der Nahrungssuche nicht weiter als 80 m von ihren Bau.
12. Überschreiten der Leistungsfähigkeit
Blutwertanalysen stützen die Aussage, dass Windhunde beim Hunderennen
in eine lebensbedrohliche Situation geraten können. Wenn der Faktor Hitze
noch hinzu kommt, überschreitet auch ein sorgfältig trainierter und
vorbereiter Greyhound seine Leistungsgrenzen.
Hierzu erklärt Prof. Krzywanek ,FU Berlin
"....Was die Säuerung des Blutes angeht, waren das schon dramatische
Verschiebungen. So wurde z.B. der ph-Wert , also das Mass für die Säuerung
des Blutes von etwa 7,4 (vor dem Rennen) auf etwa 7,0 Einheiten abgesenkt. Die
Milchsäurekonzentration im Blut stiegt von etwa um 0,5 auf über 25
mmol/l. Allein aus diesen Erkenntnissen wird klar ersichtlich, dass es sich
bei einem Rennen über eine Strecke von 400 bis 450 m nicht um eine blosse
Bewegungsmöglichkeit oder Auslaufersatz handelt, sondern um eine sportliche
Höchstleistung. In den einschlägigen Lehrbüchern der Physiologie
wird geschrieben, daß ein ph-Wert unter 7,0 mit dem Leben nicht vereinbar
ist. "
Hieraus ergibt sich zweifellos, dass Windhundrennen Höchstleistungssport
ist. Was für den größeren Greyhound gilt, ist entsprechend auch
für den Whippet relevant, der vergleichsweise eine noch höhere Leistung
erbringt.
13. Verletzte Hunde
Tierärzte führen bei der Einlieferung der Windhunde zum Windhundrennen
regelmäßige Kontrollen durch. Sie berichten von uneinsichtigen Windhundbesitzern,
die Verletzungen ihrer Hunde ignorieren und sich uneinsichtig geben, wenn der
Whippet keine Starterlaubnis erhält.
Bei den Windhundtrainings ist jeder Besitzer allein für seinen Whippet
verantwortlich.
Marianne.Bunyan 05.05.2001 |