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Zuchttechnik: Von Läufigkeit bis Geburt

Artikel Nr. 8 vom 08.06.2002

Zyklus der Hündin

Whippethündinnen werden in der Regel frühestens das erste mal mit 7 Monaten läufig, durchschnittlich mit 8 bis 14 Monaten. Es kann aber auch genauso vorkommen, dass Hündinnen sehr viel später ihre erste Hitze bekommen und ist kein Grund zur Beunruhigung. Ich kenne Hündinnen, die erstmalig mit 24 Monaten läufig wurden. Wer sich für eine Hündin entscheidet, sollte auch wissen, dass die Läufigkeit in der Regel alle 7 Monate erneut auftritt. Erste Anzeichen sind häufiges Markieren auf den Spaziergängen, einige Hündinnen wählen dazu erhöhte Grasbüschel, Sandhügel und markieren sogar Baumstämme, ähnlich wie Rüden. Weiteres Anzeichen ist, dass sich die Hündin vermehrt den Genitalbereich leckt, auch schon Tage vor Beginn der Blutung.

Der Eintritt der Läufigkeit zeigt sich durch einen ersten Blutstropfen aus der Scheide. Es ist sinnvoll den Termin zu notieren, um die fruchtbaren Tage besser eingrenzen zu können. Diese liegen in der Regel zwischen dem 8. und 18.Tag, meistens um den 15.Tag herum. In dieser Zeit ist die Hündin deckbereit und zeigt das auch in ihrem Verhalten. Sie stellt sich den Rüden und biegt die Rute zur Seite und duldet ein Aufreiten. Sowohl für den Besitzer als auch für den Züchter ist es wichtig, die Läufigkeit zu dokumentieren. Für den ersteren, um genau zu wissen, wann die Hündin unter Verschluß bzw. an der Leine gehalten werden muss, wann der Kontakt zu Rüden besonders überwacht bzw. verhindert werden muss. Und für den Züchter, der einen Wurf plant, um den bestmöglichen Decktag zu ermitteln.

Fruchtbarkeit

Um den genauen Zeitpunkt des Beginns der Läufigkeit festzustellen, sollte die Hündin beobachtet werden. Die meisten Hündinnen halten sich selbst sehr reinlich, sogar bei der ersten Läufigkeit und erst wenn die Blutung stärker wird, fällt das auch dem Besitzer auf. Wenn er die ersten Blutstropfen bemerkt, kann die Hündin also schon einige Tage läufig sein. Empfehlenswert ist deshalb die Kontrolle mittels Taschentuch, mit dem die Scheide der Hündin abgetupft wird. So entgeht der erste Blutstropfen nicht.

Es folgen 14 Tage im Durchschnitt mit blutigem Ausfluss, der sich in dieser Zeit von dunkelrot bis wässrigrosa verfärbt. Der sogenannte Prä-Oestrus ist mit dem Eisprung abgeschlossen. Dieser fällt in die anschließenden 4 bis 6 Tage, die sogenannten "Stehtage" bzw. die befruchtungsfähige Zeit. Jede Hündin ist ein Individuum und jede Läufigkeit kann anders verlaufen, von daher verschiebt oder verlängert sich der tatsächliche Zeitpunkt der Befruchtungsfähigkeit. Sicherheitshalber sollte man ab dem Zeitpunkt des Beginns der Blutung gut 3 Wochen hinzurechnen.

Befruchtung/Decktermin

Whippets sind vitale und fitte Hunde. Auch Hündinnen suchen in der Läufigkeit die Nähe von Rüden. In der ersten Woche der Läufigkeit sind die Rüden meist interessiert; Rüden ohne Deckerfahrung drehen schon durch, während erfahrene Rüden meist nur intensiv den Urin der Hündin beriechen. Die Hündin toleriert aber keine Annäherung und beißt auch ab. Ab dem siebten Tag verhalten sich die Hündinnen den Rüden gegenüber freundlicher und verspielt, aber das Aufreiten lassen sie nicht bis zur letzten Konsequenz zu. Sie motivieren und ermuntern den Rüden, um ihn dann aber in die Schranken zu weisen.

Wenn die Hündin in die "Stehphase" kommt, gewöhnlicherweise ab dem 11.Tag, kann aber auch früher oder später sein, stellt sie sich anderen Hunden in ihrer vertrauten Umgebung, das können auch Hündinnen sein, die im Haushalt leben. Die Anzeichen sind unverkennbar. Die Hündin bietet sich regelrecht an und entblößt die Genitalien, drückt sie nach außen und biegt die Rute in einer waagerechten Biegung zur Seite. Duldet sie das Auftreiten, sind die "gefährlichen Tage" gekommen. Jetzt heißt es aufpassen, wenn keine Nachzucht gewollt ist. Die Hündin muss sozusagen aus dem Verkehr gezogen werden. Sie darf nicht mehr ohne Kontrolle aus dem Haus. Auch nicht unbeaufsichtigt in den Garten, denn die Rüden der Nachbarschaft haben die Duftspuren längst aufgenommen und es ist nicht ausgeschlossen, dass fremde Rüden in den Garten eindringen und auf ihre Chance warten.

Werden Rüde und Hündin gemeinsam gehalten, kann ich nur eine strikte, doppelt gesicherte Trennung empfehlen, wenn der Besitzer die Hunde nicht ununterbrochen beobachten kann. Eine geschlossene Tür muss kein Hinderungsgrund sein. Sogenannte Schutzhosen dienen nur zum Schutz vor Verunreinigungen, sie schützen aber nicht vor einem ungewollten Deckakt.

Gefahrenstufe Rot

Der Hündinnenbesitzer hat die Pflicht, seine Hündin vor ungewollten Nachkommen zu schützen. Dazu muss die Hündin in den 3 Wochen der Läufigkeit tatsächlich kontrolliert werden. Vor allem auf den Spaziergängen sollte die Hündin 100% im Einflussbereich des Besitzers sein, denn auch die Hündin könnte auf "Abwege" geraten. Wer seine Hündin nicht im Griff hat, muss sie unbedingt angeleint führen.

Wer zweigeschlechtliche Whippets in einem Haushalt hält, sollte sich bewußt sein, dass der Deckakt bei Whippets eine sehr fixe Angelegenheit sein kann.
Außerdem sind sie sehr erfinderisch, wenn es um die Arterhaltung geht. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass die meisten Besitzer, die sowohl Rüde als auch Hündin hielten, immer einen ungewollten Deckakt hatten, auch wenn sie meinten, noch so gut aufgepaßt zu haben. Das bringt viel Ärger und Beschwerlichkeiten und zusätzliche Kosten, wenn die Verpaarung nicht den gültigen Zuchtbestimmungen der Zuchtverbände entsprach. Davon ist bei einem ungeplanten Wurf immer auszugehen.

Zuchtbestimmungen

Jeder Whippet, der zur Zucht verwendet werden soll, muss vorher angekört sein, d.h. beide Elterntiere müssen FCI-Papiere haben, die u.U.in den entsprechenden Zuchtbüchern der deutschen Vereine DWZRV (Deutscher Windhundzucht- und Rennverband) oder WCD (Whippetclub Deutschland) eingetragen sein müssen. Das Zuchtalter ist für Rüden im DWZRV z.B. nicht begrenzt, obwohl die für eine Ankörung erforderlichen Daten wie Zahnstand und Größe frühestens mit 15 Monaten geprüft werden. Whippethündinnen können ab dem 18. Lebensmonat bis zur Vollendung des 8. Lebensjahrs zur Zucht verwendet werden, wenn die Abstände zwischen den Decktagen mindestens 8 Monate betragen.

Zur Ankörung erforderlich sind bestimmte Auflagen der jeweiligen Vereine. Grundsätzlich gilt, dass nur wesenfeste, gesunde Hunde überhaupt zur Zucht verwendet werden dürfen. Darüberhinaus ist die Mindestwertnote für die Zuchtzulassung auf mindestens "sehr gut" festgelegt. Dazu muss der Whippet ausgestellt werden und mindestens zwei Richterurteile mit dem Formwert "sg" vorweisen können. Beim DWZRV sind nur DWZRV-Richterberichte von DWZRV-Richtern zulässig. Darüberhinaus muss der Zahnstand und die Vollzähligkeit sowie und die genaue Widerristhöhe von einem Zuchtrichter bescheinigt werden. Des weiteren ist ein DNA-Test erforderlich. Heute gibt es die Möglichkeit mit einem einfachen Blut- oder Schleimhauttest die tatsächlichen Eltern nachzuweisen. Das garantiert die Ahnentafelsicherheit.

Das ideale Zuchtalter für Hündinnen liegt für den ersten Wurf bei einem Alter um 20-26 Monate. Junge Hündinnen haben in der Regel keine Probleme mit Trächtigkeit und Geburt. Ich würde immer empfehlen eine Hündin früh ihren ersten Wurf haben zu lassen als in höherem Alter. Oftmals entschließen sich Besitzer erst nachdem eine Hündin ihr volles Programm im Windhundsport erfolgreich absolviert hat zu einem Wurf im Alter von 6 Jahren oder später. Eine geforderte Hündin hat ihre Energien bereits in den Wettbewerben verbraucht und Trächtigkeit und Aufzucht werden aus den Reserven gespeist. Eine junge Hündin hingegen ist diesbezüglich unverbraucht und kann nach ihrem ersten Wurf vollausgereift in die Wettbewerbe gehen. Außerdem werfen junge Hündinnen viel einfacher und schneller, als eine späte Mutterhündin.

Der Deckakt

Für die Bestimmung des richtigen Decktages reicht die Beobachtung. Sobald die Hündin das erste Mal "steht" , rechnet man drei Tage hinzu. Es gibt auch die Möglichkeit durch den Tierarzt den geeigneten Tag feststellen zu lassen. Ich persönlich hatte damit bei einer Hündin keinen Erfolg, ich hätte mich besser auf das Verhalten der Hündin verlassen sollen.

Wenn Nachkommen gewünscht sind, reist die Hündin immer zum Rüden. Eine sehr dominante Hündin verhält sich in ihrer gewohnten Umgebung selbstsicher und spielt ihre Überlegenheit aus. Damit könnte sie einen schüchternen Rüden verschrecken.

In der Regel verläuft der Deckakt ohne Probleme, wenn die Hunde sich nicht gefordert oder auffällig beobachtet fühlen. Das hängt aber individuell von den einzelnen Hunden ab. Zuerst spielen die Partner, die Hündin animiert den Rüden, stellt sich hin, um dann im letzten Moment auszuweichen, wodurch der Rüde noch erregter wird. Sobald er aufgeritten und eingedrungen ist, gibt er auch nach wenige Stößen sein Sperma ab. Danach hängen die Hunde für mehrere Minuten, durchschnittlich eine halbe Stunde, zusammen. Entweder hebt der Rüde seinen Hinterlauf über den Rücken der Hündin, oder der Besitzer hilft dabei. Sodaß die Hunde dann entspannt Becken an Becken verharren können.

Bei einem ungewollten Deckakt ist zu beachten, sobald der Rüde hängt, gibt es keine Möglichkeit mehr etwas rückgängig zu machen. Ich warne vor dem sogenannten "Wegspritzen". Zum einen lebt die Läufigkeit erneut auf und damit die Gefahr der erneuten ungewollten Bedeckung, zum anderen ist keine zuverlässige Sicherheit gegeben, dass durch die Hormonbehandlung Nachkommen tatsächlich verhindert werden. Für eine gesunde Hündin ist das Austragen des Wurfes wesentlich "gesünder" als ein Eingriff. Nicht angekörte Zuchtpartner müssen mit Auflagen und Strafen rechnen und das Risiko, dass die Welpen Ahnentafeln mit dem Aufdruck "Nicht nach den Zuchtregeln gezüchtet und zur Weiterzucht gesperrt" erhalten, ist groß. Also sollte sich jeder über die Folgen bewußt sein, die mit einem nichtgeplanten Deckakt zusammenhängen.

Die Trächtigkeit

Die gewöhnliche Trächtigkeit beträgt 62 Tage. Gerechnet von Decktermin wird die Hündin sich nach 3 Wochen in ihrem Verhalten ändern. Sie schläft mehr, frißt mehr oder gar nicht. Äußerlich ist eine Veränderung des Leibesumfangs erst in der 6.Trächtigkeitswoche zu erahnen. Um sicher zu gehen, kann der Hündinnenbesitzer eine Ultraschalluntersuchung ab dem 28. Tag der Trächtigkeit machen lassen. Bis zur fünften Woche sollte die Hündin völlig normal behandelt werden. Sie kann in den ersten vier Wochen auch weiterhin an Wettbewerben teilnehmen und sich körperlich verausgaben. Ab der fünften Woche sollten extreme Anstregnungen, Einsatz bei Veranstaltungen, Fahrradtraining, vermieden werden. Ab der sechsten Woche sollte das Futter umgestellt werden (Welpenfutter), aber nicht die Menge. Ab der achten Woche müssen die Mahlzeiten auf zwei Rationen verteilt und etwas erhöht werden. Eine Hündin sollte fit sein und niemals zu dick. Bewegung ist gut und wichtig, Spaziergänge sind angezeigt, ohne eine Forcierung. In den letzten Tagen der Trächtigkeit ist die Whippethündin rund wie eine Tonne und kann sich kaum noch richtig drehen und wenden. Sie wird die Nähe zu ihrem Besitzer suchen, der sich auf die bevorstehende Geburt vorbereitet hat. Der Tierarzt muss informiert werden, sodaß bei möglichen, selten auftretenden Schwierigkeiten professionelle Hilfe in Bereitschaft steht.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Entwicklung der Welpen bereits im Mutterleib beeinflußt wird. Ein gutes "Umfeld" wird durch das Wohlbefinden der Hündin geboten.

Die Geburt

Gewöhnlich wird die Hündin ab dem 60.Tag schon mal unruhig, stöhnt, schläft nur noch oder hechelt. Ein deutliches Anzeichen für die bevorstehende Geburt ist das Absinken der Früchte. Während der Leib fest gespannt war, fällt die Lendengegend ein und die Welpen hängen wie in einem Kartoffelsack tiefer unter dem Bauch. Die meisten Hündinnen verweigern das Futter. Ein vorbereitetes Wurflager, sollte bereit stehen. Ich habe die besten Erfahrungen mit aufblasbaren Kinderplanschbecken, 1 Meter Durchschnitt, gemacht. Sie können leicht hin und her transportiert werden, sind wasserundurchlässig, leicht zu reinigen und kostengünstig zu ersetzen. Das Wurflager muss an einer zugfreien, stille Ecke des Raumes stehen, in dem sich auch der Besitzer am meisten aufhält, nachts neben dem Bett.

In der Regel sind Whippets leichtgebärend und erledigen alles allein. Hilfestellung des Besitzers sollte sich auf Beobachtung und Nähe beschränken. Sobald sich die Hündin häufiger auf ihrem Wurflager aufhält, sollte Ruhe einkehren. Keine Besucher und keine unnötige Hektik.
Die Preßwehen zeigen sich deutlich; auch der Laie sieht, dass die Hündin "drückt". Innerhalb von zwei Stunden muss der erste Welpe geboren sein.
Die Hündin packt die Welpen aus, leckt sie sauber und regt damit die Funktionen an und sie frißt die Nachgeburt. Gewöhnlich folgen die nächsten Welpen in Abständen von 10 bis 30 Minuten. Ist die Geburt abgeschlossen, die Mutter kümmert sich dann um ihren Wurf und sollte auch ein paar Stunden absolute Ruhe genießen dürfen.

Kastration und Läufigkeitsuntersdrückung

Wer sich eine Hündin angeschafft hat, sollte auch mit den biologischen Gegebenheiten leben. Um unerwünschte Nachkommen zu vermeiden, muss sich der Besitzer die Sorgfalt und Aufmerksamkeit nehmen, die Hündin in dieser Zeit zu bewachen und zu kontrollieren.

Die hormonelle Läufigkeitsunterdrückung, das sogenannte "Hitze wegspritzen" ist nicht zu empfehlen, weil die Hündin mit Sicherheit früher oder später eine Gebärmuttervereiterung bekommen wird. Eine Kastration als Verhinderungs-prophylaxe ist immer die Amputation eines gesunden Organs und damit lehne ich das ausdrücklich ab.

Marianne Bunyan 16.06.2002

 
 

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