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erwachsener Whippet

Buch: Whippet - Der richtige Hund für Sie?

Buch: Whippets - einer ist nie genug

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produced by alp in 2001

 
 
 

Wie wird man ein Züchter?

Foto: Whippetwelpen aus einem Wurf

Hundezucht bedeutet auch Selbstaufgabe

Der Begriff Züchter wird wie folgt definiert:
Züchter darf sich nennen, wer eine Hündin besitzt, die Welpen hat.
Mehr nicht. Es kann sich sowohl um Rassehunde handeln, als auch um einen Mischlingswurf, es kann ein kompetenter Kynologe sein, aber genauso gut braucht der Besitzer der Hündin Null Erfahrungen und Kenntnisse vorzuweisen.

Rassehundezucht innerhalb des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) wird durch Zuchtbestimmungen geregelt. Durch die jeweiligen Rassehundeklubs und -zuchtverbände wird die Aufgabe der Zuchtregelung im einzelnen übernommen. Der angehende Züchter wird sich bestenfalls zunächst einem VDH-Zuchtverein anschließen; in unserem Fall entweder dem DWZRV (Deutscher Windhundzucht- und rennverband e.V.) oder dem WCD (Whippetclub Deutschland 1990 e.V.). Er wird die Zuchtregeln kennen müssen und die Umgebung schaffen, die für die Aufzucht eines Wurfes notwendig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Die erste Hündin

In den seltensten Fällen wird die Anschaffung der ersten Hündin unter dem Aspekt der späteren Zuchtverwendung erfolgen. Vielmehr ist es überwiegend so, dass sich jemand einen weiblichen Welpen zulegt, weil er ihm gefällt, weil er schon immer einen Whippet haben wollte oder weil er per Zufall auf diesen Hund gestoßen ist.

Möglicherweise bekommt der Besitzer dann Spaß an Windhundveranstaltungen und geht mit seiner Hündin auf eine Ausstellung. Erzielt die Hündin dann eine gute Bewertung, wird der Besitzer sie sicher noch mehrmals ausstellen. Durch die Teilnahme an Ausstellungen kommt der Anfänger in Kontakt mit anderen Whippetfreunden und lernt ein paar Züchter kennen. Irgendwie üben Züchter für einen Anfänger einen magischen Reiz aus und langsam wächst der Gedanke: das würde ich auch gern machen. Welpen aufziehen muss etwas wunderbares sein !

So beginnen viele Züchterbiographien. Am Anfang ist eine Hündin, und dann entsteht der Wunsch ebenfalls züchten zu wollen. Dabei spielt die Qualität der Hündin oder der Wissensstand noch gar keine Rolle. Jeder Besitzer wird seine erste Hündin immer über alles lieben und sie zum Maßstab erklären. Hier beginnt oftmals ein Übel, wenn man Zucht unter dem Aspekt des Erhaltens, Bewahrens und möglichst Verbesserns ansieht, weil der Anfänger wenig Ahnung und nur mehr oder weniger Glück hat. In jedem Fall wird er mit seiner ersten Hündin einen Wurf ziehen, um eben einen Welpen von seiner Hündin zu erhalten. Die Motivation für den Beginn einer Zucht findet auf der rein emotionalen Ebene statt.

Wenn der erste Wurf dann erst einmal da ist, kann die Sache zu einer Leidenschaft werden, oder der Enthusiasmus versiegt im Sande, wenn nicht nach dem ersten, dann aber auch oft nach dem dritten, vierten Wurf. Natürlich ist eine Geburt und das Heranwachsen tapsiger Welpen ein Erlebnis, dass einen Menschen gefangen nehmen kann. Und nicht zu vergessen der Stolz, wenn Welpen geboren werden, die den eigenen Zwingernamen tragen !
Diese positiven Gefühle sind so überwältigend, dass der Neuzüchter sich eigentlich über die Verantwortung, den Aufwand, die Sorgen, noch gar nicht im Klaren ist.

Learning by doing

Foto: 6 Wochen alter Whippetwelpe

Welpen aufzuziehen ist verlockend, erfordert jedoch ein hohes Maß an Verantwortung

Bestenfalls wächst mit dem ersten Wurf gleichzeitig das notwendige Interesse, sich weiterzubilden. Während die ersten Welpen vielleicht mühevoll, wenn überhaupt, an neue Besitzer abgegeben werden, fängt der Neuzüchter an, jede Fachliteratur zu verschlingen, die er finden kann und er wird sich durchfragen und durchlesen, wird den erfahrenen Züchtern auf die Finger schauen. Parallel zu den ersten praktischen Erfahrungen, gewinnt er allmählich Schritt für Schritt Einsichten und das Verständnis wächst. Hundezucht ist so komplex und umfasst grundlegende Kenntnisse über die Rasse, biologische Zusammenhänge, Verhaltensentwicklung, Anatomie, Zuchtverfahren, Ernährung, Genetik, Gesundheit, Ahnenforschung, Standard, Bewertung und Selektion, Management, Pflege, Aufzucht, Ausbildung, Ausstellungen, Handling, Regularien, und vieles mehr. Das bedeutet : Das Lernen hört niemals auf !

Es ist deshalb nur logisch, dass ein Züchter zuerst mit der Praxis beginnen muss. Erst im Laufe der Jahre wird er allmählich einen Wissensstand erreichen können, der ihn befähigt, mitreden und sich mit anderen erfahrenen Züchtern austauschen zu können. Dieser Entwicklungsprozess dauert in der Regel 10 Jahre.

Das heißt zugleich, dass in der Praxis eine neue Erfahrung die andere jagt und dass von Wurf zu Wurf Verbesserungen nötig sind und umgesetzt werden müssen. Das beginnt mit der Einstellung zu den Welpen, die eben nicht nur zur Freude des Züchters da sind, sondern sorgfältig auf das Leben in der neuen Familie vorbereitet werden müssen und mit der Auseinandersetzung und Verarbeitung des theoretischen Wissens. Die Kenntnisse in der Rasse werden vertieft durch Beobachten und Reflektieren, auch durch Revidieren der Ansichten. Alles sind Puzzlestückchen, die sich langsam zusammenfügen.

Eigene Erfahrungen

Jeder Anfänger wird versuchen so schnell wie möglich und soviel wie möglich lernen zu wollen. Die Fülle der Fachliteratur wird ihm einige Antworten geben, aber muss er alles lesen, um verschiedene Standpunkte und Erfahrungen abwägen zu können und zu einer eigenen Anschauung zu gelangen. Viele Bücher sind schwer verständlich, zu wissenschaftlich und man muss sie mehrfach lesen, um auch nur einen kleinen Nutzen daraus ziehen zu können. Viele Züchter vertrauen auf ihr Fingerspitzengefühl, um der leidigen Quälerei ein Ende zu setzen und kommen oft schnell zu der Erkenntnis, ihr Wissen reiche aus.
Hierin liegt das Geheimnis, warum einige Züchter einen positiven Einfluss auf die Rasse nehmen können und andere eben nur vermehren.

Die ersten Erfahrungen :

Anschaffung, ggf. Aufzucht, Haltung und Betreuung der Hündin
Ausstellungen
Kontakte zur Szene
Vereinszugehörigkeit
Zuchtbestimmungen
Zuchtzulassung
Zwinger
Zuchtvoraussetzungen (geeignetes Umfeld schaffen)
Auswahl des Zuchtpartners
Deckakt
Trächtigkeit
Geburtsvorbereitungen
Geburt
Aufzucht
Impfprophylaxe
Vereinsbürokratie
Werbung
Interessenten einschätzen
Welpenabgabe
Beratung
Nachsorge

Die größte Sorge aller Züchter ist es, wie finde ich für meine Welpen geeignete Plätze. Diese Frage ist berechtigt und vom Erfolg des Verkaufs der Welpen hängt es ab, ob und wann ein weiterer Wurf überhaupt in Erwägung gezogen werden kann. Der A-Züchter (also der, der seinen ersten Wurf hat) kann nicht davon ausgehen, dass er für seine Welpen ohne Schwierigkeiten Interessenten finden kann. Er muss sich darauf einstellen, dass er möglicherweise ein paar selbst behalten muss. Aller Anfang ist schwer.

Es ist normal, dass ein unbekannter Zwingername noch kein Vertrauen genießt. Interessenten orientieren sich am Bewährten. Aber es ist deshalb umso wichtiger, dass der Neuzüchter dennoch bei der Auswahl seiner Käufer besonders gewissenhaft vorgeht. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Es gehört eine gute Portion Menschenkenntnis dazu aus einem Kreis von Interessenten den passenden Besitzer in spe dem passenden Welpen zuzuordnen oder umgekehrt. Sind zu wenige Anfragen vorhanden, gerät der Züchter leicht in Panik und ist froh überhaupt einen Platz für seinen Welpen gefunden zu haben. Aber: Nur der beste Platz ist gut genug und nur der zufriedene Besitzer wird auch positiv werben. Zufriedene Besitzer sind aber nur solche, die sich vertrauensvoll an einen kompetenten Züchter wenden können, der auch mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es nötig ist. Züchter, die aber selbst in einer Lernphase sind, unterliegen hier einer besonders harten Bewährungsprobe.

Hinzu kommt der Konkurrenzkampf innerhalb der Züchtergemeinschaft. Jeder Neue wird argwöhnisch betrachtet und er hat es schwer, sich gegen seine Mitbewerber durchzusetzen, vor allem dann, wenn ihm die Erfahrungen fehlen. Leider ist es nicht so, dass alle an einem Strang ziehen, im Gegenteil. Der Neuzüchter sieht sich oft einer brodelnden Gerüchteküche ausgesetzt, die ihn demoralisiert und die den Ruf schädigt, bevor er aufgebaut ist.

Zuchtziel setzen

Züchter müssen für sich zunächst selbst definieren, was sie wollen. Sie müssen ein Ideal haben, das im Einklang mit Gesundheit, Wesen, Standard und eigener Vorliebe steht. Um dieses Zuchtziel einzugrenzen ist aber wiederum ein Verständnis der Materie nötig. Der Züchter muss zunächst einmal erkennen lernen, welche unverzichtbaren Grundvoraussetzungen ein Whippet haben muss, um daraus eine Idee wachsen zu lassen. Viele Züchter haben hier Defizite und konzentrieren sich auf Details oder aber wollen zuviel auf einmal oder nur auf dem ersten Platz stehen. Zucht hat mit dem Erfolg im Ausstellungsring nur bedingt etwas zu tun. (Was nicht heißen soll, dass mit minderer Qualität gezüchtet werden soll!) Aber bis ein Züchter das zu begreifen vermag, sind vielleicht schon viele Welpen geboren worden. Es ist jedoch nie zu spät, das Wesentliche zu erkennen und seine Ideen zu überdenken.

Die Beurteilung eines Whippets und vor allem des eigenen ist eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Egal wie gern der Züchter seine Mutterhündin und seine eigene Nachzucht auch haben mag, Sentimentalitäten sind ein schlechter Ratgeber. Der Züchter muss sich dazu durchringen Herz und Verstand zu trennen, nur dann kann er seine Zuchttiere richtig einschätzen.
Es fällt in seine Verantwortung nur mit den für die Zucht wertvollsten Tieren, sprich: typvollsten Rassevertretern, zu züchten. Viel zu oft wird aber mit dem Hund gezüchtet, der gerade da ist. Aber aus Gänsen kann man nun einmal keine Schwäne züchten.

Auswahl der Zuchthündin

Im besten Fall sollte der Züchter nach ein paar "Probewürfen" eine Entscheidung für die Zukunft treffen, denn züchten heißt, in Generationen denken . Inzwischen hat er sich einen groben Überblick über seine Rasse verschafft und es sind ihm immer wieder Hunde aufgefallen, die ihm besonders gut gefallen haben. Anhand der Abstammung läßt sich erkennen ob und ggf. welches Verwandtschaftsverhältnis besteht und/oder welcher Hundename am häufigsten erscheint. Der Züchter sollte nun versuchen alles über diesen Hund, dessen Eltern, Verwandte und Nachkommen heraus zu bekommen, was möglich ist. Dabei ist es wichtig, auch negative Eigenschaften, mögliche Krankheiten, Wesensmerkmale, Leistungsfähigkeit, Altersfitness im Auge zu behalten. Dann sollte der Neuzüchter sich an den Züchter wenden, der die meisten Hunde hervorgebracht hat, die seinem Ideal am nächsten kommen und dort versuchen eine qualitativ hoch stehende Zuchthündin zu erwerben. Ein guter und erfahrener Züchter wird dem Begehren positiv gegenüberstehen und die Bemühungen des Neuzüchters schätzen.

Diese gezielt ausgesuchte Hündin sollte dann die Stammutter des neuen Zwingers werden. Der nächste Gedanke muss dem Zuchtverfahren gewidmet werden. Hierzu gibt es genügend Literatur, um sich über Verfahren und Folgen zu informieren. Wichtig ist, mehrere Bücher zum gleichen Thema zu studieren, weil jeder Autor eine eigene Auffassung hat. Ich ziehe Autoren vor, die praktizierende Züchter (und bestenfalls zugleich Genetiker) sind , weil man von ihnen eine praxisnahe Sichtweise erwarten kann. Es nützt wenig, wenn sich ein Autor mit Genetik und deren Auswirkungen befasst, aber selbst keinerlei Zuchterfahrungen besitzt.

Zuchterfolge stellen sich langsam und über mehrere Generationen ein. Wer zuviel aufeinmal erwartet, wird gar nichts bekommen. Rückschläge sind hinzunehmen aber nicht überzubewerten und keinesfalls zu ignorieren. Eine konsequente und strenge Auslese der Zuchttiere ist der einzige Weg zum Ziel. Das sind rationale Entscheidungen, die oftmals Härte gegen sich selbst erfordern. Nicht der niedlichste Welpe bleibt im Züchterhaushalt, sondern der für die Zucht vielversprechendste. Auch das zu erkennen bedarf einer gewissen Übung.

Politische Korrektheit

Auch wenn man es nicht direkt im Zusammenhang vermuten könnte: Wichtige Voraussetzungen für den Status eines Zwingers ist die Korrektheit, das "Gutstellen" mit den Funktionären des Vereins, sich keinerlei Verfehlungen zu schulden kommen lassen, die Anforderungen für eine Zuchtstätte in allerhöchstem Maße zu erfüllen und sich vorbildlich gegenüber seinen Hunden und Hundeinteressenten, aber auch Mitbewerbern zu verhalten.
Unbeirrt das eigene Ziel vor Augen haben und mit aller Kraft durchzustehen ist eine Notwendigkeit.

Aufwand

Wer Hunde züchten will, ist sich anfangs nicht darüber im Klaren, welche Ausmaße diese Leidenschaft annehmen kann. Einmal abgesehen von dem Zeit- und Kostenaufwand, ist es Bedingung, dass das äußere Ambiente den Ansprüchen an eine Welpenaufzucht und Hundehaltung genügen müssen. Bis der erste Wurf überhaupt auf eigenen Pfoten steht sind umfangreiche Investitionen nötig. Von dem ersten Wurf wird immer ein Welpe mindestens im Züchterhaushalt verbleiben, auch vom zweiten oder dritten Wurf und schon hat sich die Anzahl der eigenen Hunde innerhalb weniger Jahre verdreifacht. Es gilt: so wenig Hunde wie möglich zu behalten. Jeder nächste Wurf wird wieder einen "noch besseren" Welpen hervorbringen und die Gefahr ist sehr groß, sich mit zu vielen Hunden zuzustellen. Die zum Glück hohe Lebenserwartung der Whippets muss berücksichtigt werden.

Andererseits : nur eine kontinuierliche Zucht, kann einen Fortschritt bewirken. Das heißt auch, dass mindestens in einem Abstand von drei Jahren eine Hündin behalten werden muss. Rechnet man die hinzukommenden Hunde zum Bestand hinzu ergibt das nach 15 Jahren eine Anzahl von 7 Hunden. Die Haltungsbedingungen von 7 Hunden unterscheiden sich deutlich von denen, die zu Beginn der Zucht vorhanden waren.

Die Welpenkäufer sollten stets mit dem Züchter in gutem Kontakt bleiben. Die Nachsorge der bereits gezüchteten Hunde steigt mit der Zahl der Würfe.

Resumee

Eine Hundezucht aufzubauen und sie auch durchzuhalten erfordert vom Züchter eine große Portion Selbstaufgabe. Die Lebensqualität verändert sich: Aktivitäten werden überwiegend mit den Hunden durchgeführt, der gesamte Freundeskreis wird nach Hundesympathien ausgerichtet, Abwesenheit von Zuhause wird reduziert, Urlaub fällt flach, Hundesitter muss engagiert werden.

Marianne Bunyan, 12.09.2001

 
 

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